"Ich, Jonathan, erschaffe totales Spielzeug"
Jonathan Meese wurde am 23. Januar 1970 in Tokio geboren.
Neben Daniel Richter und Neo Rauch gehört Meese zu den gefragtesten deutschen Malern des 21. Jahrhunderts.
Um seine künstlerische Vision auszudrücken betätigt sich Meese, über die Malerei hinaus auch als Aktions- und Performancekünstler. Außerdem kreierte Meese das raumgreifende Bühnenbild für das Theaterstück „Kokain“ von Frank Castorf und mehrere Kostüme für die Strassburger „Meistersinger“-Inszenierung.
Meese arbeitete u.a. bereits mit den Malern Jörg Immendorf, Albert Oehlen, Tim Berresheim, Daniel Richter, Tal R und dem Komponisten Karl Heinz Essl zusammen.
Der Sohn deutsch-walisischer Eltern immigrierte als kleiner Junge, gemeinsam mit seiner Mutter Brigitte Meese, nach Deutschland. Nachdem er 1989 im holsteinischen Ahrensburg sein Abitur absolviert hatte studierte Jonathan Meese von 1993-1998 an der „Hochschule für bildende Künste“ in Hamburg.
1998 stellte er auf der Berlin Biennale erstmals aus.
Es folgten Gemeinschaftsausstellungen auf der ganzen Welt, darunter zahlreiche Einzelausstellungen in Hamburg, London, New York, Berlin, Kopenhagen und Trier.
2007 erhielt Meese den Kulturpreis der B.Z.. Die Laudatio hielt Guido Westerwelle.
Meese lebt und arbeitet in Ahrensburg und Berlin, wo er Wand an Wand mit Daniel Richter, selbst langjähriger Freund und einstiger Entdecker Meeses, arbeitet.
"Alles ist Spielzeug. Das ist alles gewesen. Ob Kommunismus, Nationalsozialismus, das alte Ägypten oder das alte Rom, nichts kommt wieder. Von der Straße kann ich mir auch keine Revolution mehr erhoffen, der Mensch schafft das nicht. Wir sollten etwas anderes sich lostreten lassen, der Vulkan der Kunst möge ausbrechen."
Thematische Schwerpunkte seiner Arbeiten sind germanische Mythologien und der mit diesen häufig einhergehende „Wahn“ des deutschen Volkes.
Meese kämpft für die „Revolution der Kunst“, welche sich einstellen und „alles schlechte umwerfen“ wird, sobald die Menschen wieder die Fähigkeit des Spielens erlernen, dass heißt, die Kunst als einzige Wahrheit und als die „totale Liebe“ zu akzeptieren und für sie zu leben, da es keinen Sinn habe,
entgegen dieser einzigen Logik sein Dasein zu fristen.
Nach Meeses Auffassung haben alle bisherigen Systeme, deren Ideologien die Menschen dieses Planeten gefolgt sind, versagt und sich ihre Anführer als Lügner erwiesen. So bezeichnet sich Meese auch nicht als Anführer einer Bewegung, sondern lediglich als einer von vielen, die „begriffen“ haben, dass die Wahrheit des Menschen in der „Demut zur Kunst“ liegt, so wie die Natur höchste Kunstform ist, da alles aus ihr entspringt.
Als Ursprung von all seinen Handlungen benennt Meese die eigene „Hilflosigkeit, Verlegenheit und Übersprungshandlungen.“
„Auch einen Hitler groß zu machen, ist für mich nur Ausdruck meiner Hilflosigkeit. Was soll ich denn sonst machen? Was ist denn hier noch? Der Künstler ist per se eine harmlose Witzfigur, er muss doch den Status des Künstlers überwinden, er muss selbst ein Tyrann werden. Ich glaube, wir müssen in der Philosophie, in der Literatur, in der Kunst so dermaßen radikal sein, dass es in der Realität nicht mehr möglich ist, das zu toppen. “
Eine äußerst wichtige und einnehmende Rolle in Meeses Leben spielt seine Mutter Brigitte, welche die bürokratischen Aufgaben ihres Sohnes erledigt (Steuern, Korrespondenz, Vermögen etc.), welcher, als Totalkünstler, nichts mit ihnen anfangen kann.
Nach Meeses Auffassung wird die Radikalität Hitlers, Stalins und anderer diktierender Fragezeichen der Weltgeschichte durch seine eigene alles übersteigende Radikalität neutralisiert, sodass in dem Moment, da er als radikalste Instanz erkannt wird, die Diktatur der Kunst in Kraft tritt. Eine Vielzahl von Kritikern sieht, auch gerade deswegen, eine Art „Teufelsaustreiber der zeitgenössischen Kunst“ in ihm, wobei die Frage, ob dieser Mensch wirklich der Erlöser, den viele in ihm sehen, oder „nur“ ein hochbegabter Maskenträger ist, der weiß, was der Kunstmarkt von ihm erwartet, wohl nicht so bald klar beantwortet sein wird. Jedoch ist bekanntlich auch der Glaube an etwas eine Form der Kunst. Dieser Umstand wird der Kunst Jonathan Meeses für eine nicht absehbare Zeit eine gewisse Unantastbarkeit verleihen.





