"My death will not bring us together again."
1908-1986 | Franz. Schriftstellerin und Existenzialistin
Simone De BeauvoirSimone De Beauvoir wird im Jahr 1908 geboren und wächst in einer angesehenen, bourgeoisen Familie als älteste von zwei Töchtern auf.
Ihr Vater arbeitet als Anwalt, ihre Mutter ist eine gläubige Katholikin, die beide Töchter nach strengen, traditionellen Normen erzieht.
Simone beginnt mit dem Schreiben im Alter von acht Jahren, bekennt sich als Jugendliche zum Atheismus und distanziert sich immer mehr von den religiösen und sozialen Werten ihrer Familie.
Sie studiert Philosophie an der Sorbonne (Paris, Frankreich), wo sie 1929 auf Jean-Paul Sartre trifft. Mit nur 21 Jahren schließt sie ihr Studium mit einer Arbeit über den Philosophen Leibniz ab und erhält ihre agrégation.
Von 1931 bis 1943 unterrichtet sie Philosophie an verschiedenen Schulen in Marseille, Rouen und Paris und erhält später eine Professur an der Sorbonne (1941-1943). Während der Besatzung Frankreichs durch die Nazis setzt Beauvoir ihre Studien fort, ohne sich an den Aktivitäten der Resistance zu beteiligen. 1945 veröffentlicht sie den Roman Le Sang des autres.
Nach Beendigung des zweiten Weltkriegs gründet sie zusammen mit Sartre die monatlich erscheinende Zeitung Les Temps modernes. Sie unternimmt ausgedehnte Reisen nach Portugal, Tunis, die Schweiz, Italien, die USA und China.
The Ethics of Ambiguity (1947) reflektiert die Erfahrungen der Kriegsjahre, die damit einhergehende Desillusionierung und versucht eine Diagnose der politischen Haltung.
Ihr erstes Buch, L’Invitée, erscheint im Jahr 1943. Es ist die fiktionale Beschreibung von Sartres Affäre mit Olga Kosakievicz und nur eine der zahlreichen Erzählungen, die sich mit Beauvoirs Beziehung zu Satre beschäftigen.
Bekanntheit erlangt Beauvoir 1954 mit dem teilweise autobiographischen Buch Le Mandarins. Die Protagonisten der Erzählung, die Psychologin Anne Dubreuilh und ihr Ehemann Robert, entsprechen im wesentlichen den Charakterzügen von Beauvoir und Sartre. Der Amerikaner Lewis Brogan findet seine Entsprechung in dem Autoren Nelson Algren. Diesen hatte Simone de Beauvoir 1947 auf einer Vorlesungsreihe in den USA kennen gelernt. Algren war es auch, der Simone gerne geheiratet hätte. Sie aber bleibt der Beziehung zu Sartre treu.
Le Mandarins ist eine Abrechnung mit den damaligen Linksintellektuellen. Es beinhaltet die Aufforderung den „Mandarin“-Status aufzugeben und sich statt dessen lieber am realen, politischen Weltgeschehen zu beteiligen.
Kurz nach seinem Erscheinen wird dieses Buch, ebenso wie der feministische Klassiker The Second Sex (1949) von angesehenen römisch-katholischen Persönlichkeiten verboten. Im letzteren stellt Beauvoir die Behauptung auf, dass „one is not born as a woman; one becomes one.“ Frauen sind “das andere”, dasjenige Geschlecht, das von Männern und patriarchalischen Strukturen als “nicht-männlich” definiert wird.
1958 erscheint Mémoires d’une jeune fille rangée, der erster von vier Bänden ihrer Memoiren. Darin schreibt sie über ihre glückliche Kindheit, ihre intellektuelle Entwicklung und natürlich auch über Sartre.
Es folgen La Force de l’âge (1960), La Force des choses (1963) und Tout compte fait (1972). Aus einer existenzialistischen Perspektive behandeln sie Beauvoirs Wahl zwischen Liebe und Arbeit. D.h. den Widerstreit von einem Leben als intellektueller Mensch und Schriftsteller mit einem von Freiheit und Anstand geprägten Leben.
Beauvoir hat sich selbst stets weniger als Philosophin gesehen - vielmehr als Schriftstellerin. So hat sie hartnäckige Vermutungen zurückgewiesen, denen zufolge sie einen großen Einfluss auf Sartres Philosophie hatte. In ihren Memoiren schreibt sie: Während einer Reihe von Diskussionen, die Sartre mit Raymond Aron hatte, fühlte ich mich stets ausgeschlossen, weil meine Gedanken zu langsam für die ihrigen waren.
Beauvoirs Engagement für den Feminismus ist intellektuellen Ursprungs. In den späten Sechzigern wird sie für die feministische Bewegung aktiv und avanciert schnell zu ihrem Sprachrohr. Sie kämpft für die Rechte der Frauen, insbesondere in Fragen der Abtreibung und der sexuellen Gewalt.
Im Jahre 1981 erscheint ihr Buch Adieux: A Farewell to Sartre, welches die letzten gemeinsamen Lebensjahre mit Jean Paul Sartre thematisiert.
Nach seinem Tod überschatten schwere Meinungsverschiedenheiten mit ihrer Adoptivtochter Arlette Elkaim Beauvoirs Leben. Ihre Abhängigkeit vom Alkohol und Tabletten beschleunigt ihren körperlichen und geistigen Zusammenbruch.
Simone de Beauvoir stirbt in Paris am 14. April 1986.






